Der eigenen Lebensmelodie nachspüren …

… das wollten die schlussendlich 19 Teilnehmerinnen, die voller Erwartungen sich bei perfektem Frühlingswetter im schönen Kloster Schloss Hersberg am Bodensee eingefunden hatten. Nachdem die Resonanz 2024 so positiv gewesen war, hatten wir, das Leitungsteam der META-Gruppe Markdorf, beschlossen, unsere diesjährigen Resilienztage vom 15. bis 17.04.2026 erneut hier an diesem besonderen Ort zu organisieren.

Das Thema „Meine Lebensmelodie“ war schnell gefunden, denn die Stunden mit dem Musiktherapeuten Thomas Schröter waren 2024 auf so große Begeisterung gestoßen, dass wir gleich wussten: Davon wollen wir mehr. Auch die Erfahrung, dass weniger mehr ist, hat uns dazu bewogen, außer unserer Psychoonkologin Daniela (Lamm) und Thomas keine weiteren Therapeuten einzuladen. Zudem hatten wir – dem Feedback von 2024 folgend – mehr Freizeit eingeplant, damit Spaziergänge, Gespräche, Zeit allein, zu zweit oder in der Gruppe möglich waren. Dank unserer großzügigen Sponsoren (Professor Dr. Frank Maier, Jubiläumskonzert, Soroptimistinnen Überlingen, Spendenaktion „Ein Licht, ein Baum – wir helfen“, u. a.) bereitete uns dieses Mal auch die Finanzierung kein Kopfzerbrechen.

Daniela eröffnete die Resilienztage nach dem Mittagessen mit einer wunderbaren „Kennenlernrunde“, aber nicht die oft übliche, in der sich jeder vorstellt und dabei den Fokus auf die Krankheit richtet. Denn wir sind schließlich mehr als nur unsere Krebserkrankung. Auf dem Boden waren großformatige Bilder ausgelegt, jede durfte sich eines auswählen und unter dem Aspekt: „Wie geht es mir gerade, was erwarte/erhoffe ich mir von den Tagen?“ in ein paar Sätzen erklären, warum gerade dieses Bild sie angesprochen hatte. Es war eine lebhafte Runde; die paar Sätze ermöglichten jeweils einen ganz anderen kurzen Blick auf die Seele, als das die Krankheitsgeschichte getan hätte: Leichtigkeit, Vorfreude, gespannte Erwartungen standen im Vordergrund – und nicht Krankheit, Leid, Schwere. Ein sehr guter Start …

Bei dem schönen Wetter nahmen die meisten Teilnehmerinnen den Vorschlag an, einen Spaziergang durch die Weinberge und an blühenden Kirsch- und Apfelbäumen vorbei hinunter an den Bodensee zu machen. Beim Gehen lässt sich gut reden, das wurde offensichtlich. So eine Offenheit für sehr persönliche Themen, auch unter Frauen, die sich zum ersten Mal begegnet sind, das kenne ich nur von META-Gruppen. Es ist eine ungemeine Bereicherung, die Zeit nicht mit Small Talk und Oberflächlichkeit zu vergeuden. Denn wir wissen schließlich nicht, wie viel wir davon noch haben …

Für den Abend hatte Daniela für uns etwas Besonderes vorbereitet: im gläsernen Pavillon, auf dem Sessel gemütlich in Decken gehüllt, mit Blick auf den Bodensee und die Alpenkette „Musik zum Träumen“, eine Playlist von berührenden Musikstücken querbeet durch Klassik, Soul, Jazz, irische Musik etc. Tief versunken, ganz bei sich mit dem überwältigenden Ausblick ließen wir den Tag ausklingen. Nur das i-Tüpfelchen fehlte: ein goldener Sonnenuntergang über dem See. Da hatten uns die Wolken einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Der Donnerstag war ganz der Musik gewidmet. Gespannte Erwartung und Vorfreude hielten sich die Waage. Viele kannten Thomas schon vom letzten Resilienzwochenende 2024. Wie damals hatte er wieder viele Musikinstrumente mitgebracht, die jeder auch ohne Notenkenntnisse spielen kann. Ein Instrument, das betonte er, hat aber jeder immer dabei: die eigene Stimme. Der (erneute) Zugang dazu und was sie alles bewirken kann, das sollte im Mittelpunkt seiner Arbeit mit uns stehen. Es war dann auch das Instrument, das wir an diesem Tag am meisten genutzt haben.

Nur eines Liedes bedurfte es, um die ganze Gruppe „abzuholen“: Erst etwas zaghaft, dann immer fester und selbstsicherer erklangen unsere Stimmen, während wir uns im Raum bewegten. Leicht einprägsame kurze Texte, einfache Melodien und Wiederholung um Wiederholung, das machte es aus: Wir entdeckten (wieder), dass wir alle tatsächlich singen können, und fühlten und sahen sofort, was Musik mit uns macht: strahlende Gesichter, glänzende Augen, Leichtigkeit, eine unbändige Energie im Raum. Ausführungen zur Wirkung der Musik – ob hören oder selbst singen, summen, brummen – auf Körper, Geist und Seele, Bedeutung der Musik für unser Leben und unsere Gesundheit wechselten sich ab mit dem Singen von Liedern von Mark Bossinger, Iria, Helge Burggrabe etc.

Aber auch die von Thomas mitgebrachten Instrumente wollten getestet werden. Jede durfte sich ein Instrument auswählen, die verschiedenen Klänge ausprobieren. Dann wurde ein Stück improvisiert: Augenkontakt, Feingefühl, Achtsamkeit, Rücksichtnahme und ein feines Gespür für den anderen waren Komponist und Dirigent gleichermaßen. Sich mit seinem Instrument anpassen, mal die Führung übernehmen, mal sanft begleiten, dann wieder den Takt und Ton angeben, die Gruppe pushen, dann sich wieder zurücknehmen und anderen die Führung überlassen, leiser werden und gemeinsam den Schluss finden und akzeptieren: Es entstand ein so berührendes Musikstück, dass danach minutenlang ergriffene Stille herrschte. Eine unglaubliche Erfahrung, was für eine (Lebens-)Melodie erklingt, wenn nicht jeder ohne Rücksicht auf den anderen sein „Ding durchboxt“.

Das Thema Lebensmelodie zog sich wie ein roter Faden durch den Tag. Wir waren uns einig: In unserer Lebensmelodie erklingen die unterschiedlichsten Instrumente und Rhythmen – mal ganz leise und zart, mal beängstigend, dann laut und fröhlich, dann wieder bedrohlich, traurig, glücklich. Jeder hat seine eigene Lebensmelodie, die von äußeren und inneren Faktoren beeinflusst wird, also ständig fortgeschrieben wird. Und wir haben Einfluss auf sie. Denn wenn wir Musik in unser Leben lassen, egal ob singen, spielen oder hören, verändert das unsere Haltung zu den Faktoren – und damit unsere Lebensmelodie. Eine wichtige Erkenntnis, die wir nie vergessen dürfen.

Pausen mit Kaffee und Kuchen auf der Sonnenterrasse, mit guten Gesprächen oder auch Rückzug, um die Impulse und bewegenden Momente nachklingen zu lassen, am Abend ein schöner Spaziergang – diesmal mit Sonnenuntergang – und ein gemütliches Beisammensein danach machten den Tag zu einem ganz besonderen. Die Harmonie und Vertrautheit, die in einer so heterogenen Gruppe entstehen kann, weil man etwas so Belastendes gemeinsam hat, ist für mich immer wieder ein Wunder und ganz besonderes Geschenk.

Und schon war der letzte Tag an diesem beseelten Ort angebrochen. Thomas und Daniela wollten ihn gemeinsam gestalten. Als wir vom Frühstück kamen, erwarteten uns im Raum ganz zarte Klänge: Daniela saß selbstvergessen auf dem Boden und spielte eine verträumte Melodie auf einer Sansula. Dann begann Christina, sie mit sanften Tönen auf der Hang bzw. Handpan zu begleiten. Schließlich griff sich Thomas auch eine Sansula und stimmte mit ein. Was für ein Genuss und schöner Start in den letzten Teil unserer Veranstaltung!

Thomas hatte für uns in der Kapelle des Klosters etwas ganz Besonderes vorbereitet: eine Meditation begleitet von Musik und Text. In kuschlige Decken gehüllt, war die Spiritualität dieses Ortes für jeden von uns greifbar und ergreifend. Anschließend sang Thomas mit seiner beeindruckenden Stimme für uns das Kyrie Eleison.

Auch den Abschluss hatten wir diesmal ein bisschen anders geplant: Statt die Tage mit Resümee und Feedback zu zerreden, hatte Daniela eine kleine künstlerische Einlage vorgeschlagen. Zurück im Raum teilte sie uns allen Aquarellpapier, -stifte und Wasserpinsel aus, um ein Bild zu malen: Wie fühle ich mich nach diesen Tagen, was nehme ich mit, was hat mir besonders gut getan oder was für ein Bild habe ich gerade im Herzen? Auch hatte jede die Möglichkeit, uns ein paar Zeilen Feedback zu geben. In konzentrierter Atmosphäre untermalt mit leiser Musik entstanden kleine Kunstwerke, für jede von uns eine kleine Erinnerung an diese wertvollen Tage. Zum Schluss sollten wir dann nur einen Satz zusammenfassend sagen. Am häufigsten – auch in den Feedbacks – war Dankbarkeit für einen völlig neuen Zugang zur Musik.

Auch das kleine, traditionelle „Mitgebsel“ passte zum Thema Lebensmelodie: Stift, Radiergummi und Notizblock mit Musiknoten verziert. Nach dem Mittagessen hieß es dann, wieder Abschied zu nehmen und Auf Wiedersehen sagen – wir hoffen, mit ganz vielen von Euch bei unseren nächsten Resilienztagen, die schon wieder in Planung sind. Unser Dank von Herzen geht an alle, die diese Zeit ermöglicht haben: Sponsoren, das Haus Schloss Hersberg, Daniela, Thomas und an Euch alle, die Ihr dabei wart und den Tagen Glanz und Tiefe verliehen habt.

Heide

(im Namen der Leitung der META-Gruppe Markdorf)

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